Wenn die Gegen­sei­te bei einer Aus­ein­an­der­set­zung Gesprächs­be­reit­schaft signa­li­siert, kann ein Schieds­gut­ach­ten wei­ter­hel­fen. Der Sach­ver­stän­di­ge wird hier für bei­de Par­tei­en tätig, erstellt aber das Gut­ach­ten trotz­dem genau­so neu­tral und unab­hän­gig. Bei­de Par­tei­en kön­nen gemein­sam den Sach­ver­stän­di­gen aus­wäh­len und beauf­tra­gen. Es ist aber auch denk­bar, dass nur eine Par­tei den Sach­ver­stän­di­gen beauf­tragt, obwohl Bei­de den Sach­ver­stän­di­gen aus­wäh­len. Kommt es bei der Aus­wahl zu kei­ner Eini­gung, kann eine öffent­li­che Kam­mer (IHK, Hand­werks­kam­mer) oder eine unab­hän­gi­ge Orga­ni­sa­ti­on (TÜV) mit der Aus­wahl beauf­tragt wer­den.

Bei­de Par­tei­en schlie­ßen einen Schieds­gut­ach­ten­ver­trag. Wich­tig ist dabei das Vor­lie­gen einer Schieds­gut­ach­ter­klau­sel. Ziel eines Schieds­gut­ach­tens ist es, Klar­heit über strit­ti­ge Punk­te zu erlan­gen und teu­re Pro­zes­se zu ver­mei­den, denn das Schieds­gut­ach­ten bin­det bei­de Par­tei­en und das Gericht. Der Gang zu Gericht bleibt aber unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen mög­lich. Ein Schieds­gut­ach­ten wür­de vor Gericht nur noch dar­auf­hin über­prüft, ob es „offen­bar unbil­lig“ ist.

Im Schieds­gut­ach­ten­ver­trag soll­te, genau wie im Pri­vat­gut­ach­ten der Auf­trags­um­fang in Form von Beweis­fra­gen mög­lichst exakt for­mu­liert wer­den. Wei­ter­hin emp­fiehlt es sich, die Grund­la­gen des Gut­ach­tens wie Ver­trä­ge, Ange­bo­te, Pla­nungs­un­ter­la­gen oder Rech­nun­gen fest­zu­le­gen und dem Sach­ver­stän­di­gen zu über­ge­ben.

Ein Schieds­gut­ach­ten mit Schieds­gut­ach­ter­klau­sel ist kei­ne Schieds­ge­richts­ver­ein­ba­rung und ersetzt kein Schieds­ge­richts­ver­fah­ren.

Über die Kos­ten­über­nah­me müs­sen sich bei­de Par­tei­en eini­gen. Eine Kos­ten­tei­lung ist eben­falls mög­lich. Das Schieds­gut­ach­ten zählt zu den Gut­ach­ten im Pri­vat­be­reich. Eine staat­li­che Gebüh­ren­ord­nung gibt es nicht. Daher kann auch hier die Ver­gü­tung des Sach­ver­stän­di­gen frei ver­ein­bart wer­den. Meist ori­en­tie­ren sich die Ver­gü­tun­gen an staat­li­chen Gebüh­ren­ord­nun­gen wie  dem JVEG (Jus­tiz Ver­gü­tungs- und Ent­schä­di­gungs­ge­setz) oder der HOAI (Hono­rar­ord­nung für Archi­tek­ten und Inge­nieu­re).